Agiles Lernen – der neue Trend

Agilität – was meint der Begriff und welche Bezüge hat Agilität zum Lernen und zur Bildung!

 

Agiles Arbeiten ist in aller Munde – man müsse heutzutage im 21. Jahrhundert agil sein. In diesem Artikel soll es darum gehen, zu klären, was Agilität bedeutet und welche Relevanz dieser Begriff für das Lernen und die Bildung hat.

Wikipedia definiert Agilität so: Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Eigeninitiative in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit zu agieren.“

Bei der ursprünglichen Entwicklung des Begriffes, der 2001 mit dem agilen Manifest im Bereich der Softwareentwicklung populär wurde, stehen vier Werte im Vordergrund. Nämlich, dass Individuen und Interaktion wichtiger seien als Prozesse und Werkzeuge, und, dass eine funktionierende Software, das Produkt, eine zentralere Bedeutung habe als als eine umfassende Dokumentation, und, dass die Zusammenarbeit mit dem Kunden bedeutsamer sei als Vertragsverhandlungen, und schließlich, dass das Reagieren auf Veränderungen mehr Priorität habe als das Befolgen eines Plans.

Wichtige Aspekte des Agilen Arbeitens sind insgesamt, dass Teams selbstorganisiert Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen und das Management eher eine unterstützende Funktion einnimmt und mehr Freiraum gewährt. Die Kontrolle ihrer Arbeit übernimmt das Team selbst. Die Transparenz hat einen großen Stellenwert, daher werden die Aufgaben und Abläufe werden sichtbar gemacht. In der Zusammenarbeit geht es um stete Verbesserungen der Abläufe, die durch eine regelmäßige und direkte Kommunikation erreicht werden sollen. Dabei gibt es selbstverständlich klare Ziele und Leitlinien, die den Rahmen vorgeben. Ein größeres Projekt wird in mehrere Intervalle, sogenannte Sprints, unterteilt. Dabei werden in regelmäßigen Abständen die Teilergebnisse begutachtet, ergänzt und gegebenenfalls neu priorisiert. Das Ziel ist dem Kunden, so früh wie möglich, ein Ergebnis zu zeigen, welches er prüfen kann. Beim agilen Arbeiten werden der Kunde und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt. Soweit das agile Mindset, so, wie es sich im wirtschaftlichen Kontext entwickelt hat. Nun zur Schule. Welche Relevanz hat agiles Arbeiten in Bezug auf Lernen und Bildung?

Agiles Arbeiten fördert die Schlüsselkompetenzen der Zukunft, da durch die Schnelllebigkeit unserer Zeit eine stete Anpassung an bestehende Verhältnisse erforderlich ist. Eine zunehmende Kultur der Transparenz und des Feedbacks, der Zusammenarbeit im Team und der Selbstverantwortung in unserer Gesellschaft verlangt von Schule und Bildung, diese Kompetenzen früh einzuüben. Die bekanntesten Methoden für die Schule sind SCRUM und das Kanban Board. Im Folgenden des Artikels werde ich auf das Kanban Board eingehen, die Abläufe bei der Arbeit mit einem Kanban Board aufzeigen und die Vorteile der Nutzung eines Boards bei der Gestaltung von Lernprozessen erläutern. Diese Methode eignet sich auch sehr gut, ein Nachhilfeprogramm zu organisieren. Daher empfehle ich die Nutzung eines Boards, um Lernrückstände aufzuarbeiten.

Ein Kanban Board ist in drei Spalten aufgeteilt, die die Überschriften „TO DO“, „DOING“ und „DONE“ haben. Zu Beginn werden die zu erledigenden Aufgaben gesammelt und mit Karten in die TO-DO-Liste eingetragen. Die Aufgaben, die bearbeitet werden, kommen in die DOING-Spalte. Und erst wenn sie vollständig erledigt sind, werden sie in die 3. Spalte „DONE“ eingeordnet. Die Schlüsselidee dabei ist, die Aufgaben, die gerade in Arbeit sind, zu limitieren, d.h. für diese Spalte wird ein Höchstwert vorgegeben. Denn, wenn zu viele Aufgaben gleichzeitig bearbeitet werden, verzögert dies den Produktionsprozess, da man sich oder das Team durch die verschiedenen Anforderungen behindert. Dazu gibt es einen Slogan „STOP STARTING. START FINISHING.“ Man holt sich somit selbst die Aufgaben und erhält keine Aufgaben. Und man holt sich die Aufgabe erst, wenn die vorherige Aufgabe abgeschlossen worden ist. Das schafft klare Anforderungen und schützt vor Überforderung durch zu viele Aufgaben. Langfristig gelangt man so zu besseren und schnelleren Ergebnissen – im Team und im Selbstmanagement.

Abschließend noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Kanban Boards: Das Kanban System wurde bereits im Jahr 1947 beim japanischen Automobilhersteller Toyota entwickelt. Es ging um eine Verbesserung der Produktivität und Verringerung von Lagerbeständen. Später wurde dann diese Idee in den Bereich der Softwareentwicklung (siehe oben) übertragen, um die Effizienz von Projekten zu steigern. Denn das Kanban Board dient dazu, sämtliche Prozessschritte einer Projektarbeit für alle Teammitglieder sichtbar zu machen. Die Prinzipien und Grundwerte eines Kanban Boards lassen sich auch auf die Arbeit in der Schule übertragen. Auch beim schulischen Lernen geht es um Effizienz, Selbstverantwortung und Transparenz – bei Projektaufgaben und bei der Planung der Lernschritte insgesamt.

Die Idee des Kanban Boards ist einfach und lässt sich schnell umsetzen. Durch die Arbeit mit Karten und durch die Eigenverantwortung, die Karten anzuordnen und die Aufgaben zu priorisieren, steigt die Motivation, Aufgaben in Angriff zu nehmen. Durch die Übersichtlichkeit des Boards schafft man Ordnung im Lern- und Arbeitsprozess und verringert dadurch Lernwiderstände, die entstehen, wenn die zu erledigenden Aufgaben wie eine unüberwindbare Lawine, die droht, den Lernenden zu überrollen, vor einem liegen. Auch fokussiert das Board, die Lernenden auf die wichtigen Aufgaben, die zuerst zu erledigen sind. Das Board garantiert ein gesundes Arbeitsumfeld, da in der DOING-Spalte machbare Aufgaben sind. Aufgrund des gesunden und übersichtlichen Arbeitsprozesses erzielt man langfristig bessere Ergebnisse. So gilt ein letztes Mal: Let´s start. Bevor es dann gilt: STOP STARTING. START FINISHING.

Quellen: Die Fortbildungen „Agiles Arbeiten in Schule und Unterricht“ (von Anne Looks) und „Das Kanban Board – selbstgesteuertes Lernen fördern“ (Uta Eichborn) der Fortbildungsplattform „Fobizz“ (aufgerufen am 15.05.2021).

www.fobizz.com

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