Das Neue Lernen – was braucht es, um wirklich zu lernen?

In dem Buch „Das Neue Lernen heißt Verstehen“ erläutert der Autor Henning Beck, ein 38 jähriger Biochemiker, mit den Fachgebieten der Hirnforschung und Kreativität, unter welchen Bedingungen menschliches Lernen gelänge und welche Faktoren zu echtem Verstehen führten. Im Klappentext heißt es „erst wenn wir Zusammenhänge verstanden haben, können wir dauerhaftes Wissen aufbauen“, das bedeutet, dass Lernen nicht ausreicht, sondern echtes Verstehen, wie der Autor es nennt, erfolgen muss. Im Folgenden fasse ich die zentralen Gedanken dieses Buches kurz zusammen und wende sie anschließend auf mein Konzept für gelingendes Lernen im Fach Mathematik an.

Beim Lernen versuche man Informationen abzuspeichern, um sie bei Bedarf wieder abzurufen. Gelingt dies, so hätte man erfolgreich gelernt. Unsere neuronalen Netzwerke im Gehirn repräsentierten dabei das Erlernte. Und je besser die Abrufbarkeit sei, desto größer sei auch der Lerneffekt. Beim Verstehen allerdings erschufen wir Denkmodelle, mit denen wir nachvollziehen könnten, warum und wozu etwas passiere. Wende man nun ein Denkmodell an, könne man Ergebnisse bekommen und Informationen erschließen, ohne auswendig gelerntes Wissen abzurufen. Wissen sei ein Prozess, Denkmodelle könnten mit anderen Denkmodellen ergänzt und kombiniert werden, um sich selbst Wissen aufzubauen und um ein Verständnis für Konzepte zu entwickeln.

Dabei sei der sogenannte wacklige Zustand der Erinnerung von besonderer Bedeutung, da er besonders aufnahmebereit mache. Man sei dann in einem besonders formbaren Zustand, da man sehr erregt und verunsichert sei, dadurch würde man aber besonders gut behalten und verstehen. Diesen wackligen Zustand der Erinnerung erreiche man immer dann, wenn man aus eigenem Antrieb Informationen und Wissen reaktiviere.

Daher seien als Lernmethoden diejenigen effektiv, die eigene Aktivitäten beinhalteten, zum einen also die Verwendung von Eselsbrücken, zum anderen „Zusammenfassungen schreiben“ und schließlich „Übersichten erstellen“. Auch die Arbeit mit Karteikästen gehöre dazu. Ebenso seien Abfragen und kleine Teste sehr effektiv, da dabei das Gedächtnis aktiviert werde. Der Mensch sollte ständig sich selbst die Sachverhalte erklären, sie hinterfragen und mit anderen Denkschemata kombinieren.

Dem Konzept entsprechend fordert Beck für die Bildung und für die Schule, somit für das Lernen insgesamt, dass man auf folgende Punkte achte. Die Lernenden seien, so oft, wie möglich, zu aktivieren, sie müssten also die Lösungen für Probleme selbst erarbeiten, bevor ihnen das richtige Ergebnis präsentiert werde. Man müsse natürlich auf bestehendem Wissen aufbauen und den Austausch mit anderen fördern. Gut sei es immer, wenn man den Fehler selbst durchlebe, sofern am Ende Klarheit herrsche. Das blockweise Lernen lehnt Beck ab, da die Menschen durch Unterscheidungen Konzepte gegenüberstellten und dabei die Grenzen und Unterschiede von Wissen erlernten. Dabei teste und erweitere man sein Wissen. Das Einlegungen von Pausen sei sehr effektiv, um Abwechslung zu schaffen und sein Umfeld zu ändern. Bei Abwechslung der Kategorien bräuchte man allerdings keine Pausen. Je unterschiedlicher die Lernbedingungen seien, desto besser könne man die Infos in einem neuen Umfeld anwenden. Das Denken hänge allgemein von der Umgebung ab, je häufiger man daher den Kontext änderte und Analogien heranzöge, desto besser könne man das Wissen in neuen Situationen anwenden. Hätte man zunächst Unklarheit, wäre der Mensch verunsichert und neugierig, und daher auch besonders lernbereit, er würde dann mehr behalten. Daher dürfte das Lernen nicht zu einfach und gradlinig sein. Man spräche in diesem Zusammenhang von erwünschten Schwierigkeiten. Wissen müsse umständlich sein, die Informationen sollten neuartig sein, man solle Dinge gezielt zurückhalten, um neugierig zu machen. Es ginge nicht um Effizienzstreben, die Themen sollten interessant sein, man lässt spielen und verwendet digitale und analoge Medien.

Es ginge eben darum, Unklarheit für den wackligen Zustand der Erinnerung zu schaffen, um diesen besonders wachen Lernmoment zu kreieren, verknüpft natürlich mit der Klarheit am Ende.

Dann gelänge Bildung.

Soweit der Bildungsstar der Hirnforschung. Was bedeutet dies nun für das Lernen von Mathematik? Ganz einfach. Es bedeutet nicht nur Zahlenpäckchen zu lernen, sondern auch Textaufgaben mit den verschiedensten Problemstellungen mit einzubeziehen. Man muss eben auch lernen, selbst eine Lösung zu finden und ein Denkschema anzuwenden, und das sehr, sehr oft…..

Schön und gut, die Schulwirklichkeit lässt leider allzu oft sehr wenig Raum für diese wohlberechtigten und einleuchtenden Ansprüche. Meistens hängt man den curricularen Anforderungen hinterher. Und zu den Faktoren, die Herr Beck für gelingendes Lernen nennt, zählt auch der Punkt „auf bestehendem Wissen aufbauen“. Und das ist für mich der Punkt. Um sich eine Lösung selbst zu erarbeiten, benötigt man elementare mathematische Methoden und Fertigkeiten, die man – kleinschrittig und gesichert –  erlernen muss. Auch zum Teil mit Auswendiglernen, um eine Basis für mehr zu haben! Andererseits fasziniert dieses Buch durch schlüssige Argumentationen und anschauliche Beispiele. Zudem beinhaltet das Buch, wie oben dargestellt, eine gelungene Zusammenfassung von effektiven Lernmethoden und Faktoren, die zu gelingendem Lernen und Unterricht führen. Sehr, sehr gut!

Lernen gehört immer zum Lernenden, er muss lernen wollen und versuchen wollen, ein mathematisches Problem zu lösen. Die Lehrer und Eltern können nur Hilfsmittel und Methoden liefern. Darum geht es auf dieser Webseite: viele, viele Anleitungen, Strategien, Arbeitsblätter und Videos.

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