Hattie – der Lehrer ist wichtig!

Individualität und Nähe – die Rolle des Lehrers beim Lernen

 

Ein Block zum Thema „Lernen“ – ohne Hattie – nein, bei der Rolle des Lehrers und beim Coachen des Lernprozesses ist es an der Zeit, sich den grundlegenden Gedanken von Hattie zu widmen.

Hattie ist ein neuseeländischer Pädagoge und Professor für Erziehungswissenschaften. Bekannt geworden ist Hattie durch seine Hattie- Studie, eine Metaanalyse über Metaanalysen und die wohl umfangreichste Bildungsstudie aller Zeiten. Diese Studie präsentierte er 2009 in seinem Buch „Visible Learning“. Dabei stellte er Einflussfaktoren von Schülerleistungen zusammen und entwickelte Handlungsempfehlungen für Lehrer, um gelingendes Lernen zu ermöglichen. Seine Hauptthese ist, dass es weiterhin stark auf die Lehrpersonen ankomme, damit Lernen in der Schule und damit insgesamt erfolgreich ist (Quelle: Wikipedia, John Hattie, aufgerufen am 18.05.2021).

Im Folgenden beziehe ich mich auf die von Klaus Zierer (ein deutscher Erziehungswissenschaftler) verfasste Kurzfassung dieser Studie, die unter dem Namen „Hattie für gestresste Lehrer“ als eigene Publikation erschienen ist (s.u.).

Der Untertitel dieses Buches heißt Kernbotschaften und Handlungsbotschaften aus John Hatties „Visible Learning“ und „Visible Learning for Teachers“. Als Adressaten sind hierbei natürlich Lehrkräfte gemeint, obwohl diese Aussagen und Empfehlungen generell auf gelingendes Lernen bezogen werden kann. Daher werde ich diese Thesen kurz vorstellen und anschließend auf das häusliche Üben zu Hause beziehen.

Was bedeutet es nun, wenn John Hattie behauptet „Auf den Lehrer kommt es an“ und wenn er ein Buch, adressiert an Lehrkräfte, mit dem Titel „Kenne deinen Einfluss“ schreibt. Allgemein untersuchte er, welche Einflussfaktoren für gelingendes Lernen in der Schule am wirksamsten sind. Dabei ordnete er die Faktoren in 6 Bereiche (=Domänen) ein: Lernende, Elternhaus, Schule, Lehrperson, Curricula und Unterrichten. Letztlich sind alle Bereiche bedeutsam für schulische Leistung und stehen in Wechselwirkung. Daher wäre eine Kooperation aller Beteiligten wünschenswert. Der Einfluss der Lehrkräfte bezieht sich auf die Bereiche Schule und Curricula und in besonderer Weise auf Unterrichten und Lehrperson. Die Bereiche mit den größten Einflüssen auf die Lernleistung seien nach Hattie (in der Reihenfolge des Rankings) Lehrperson, Curricula und Unterrichten. Daher haben die Lehrkräfte eine zentrale Rolle, wobei sie aber nicht die ganze Verantwortung tragen.

Es geht Hattie um eine Expertise der Lehrperson, die aus einer Kombination von Fach-, pädagogischer und didaktischer Kompetenz. Das Handeln der Lehrperson soll durch Fürsorge, Kontrolle und Klarheit geprägt sein und ihr Unterricht Herausforderungen aufzeigen, Faszination auslösen und zu solidem Wissen führen. Die Lehrkraft leitet im Dialog mit den Lernenden den Unterricht und verändert diesen regelmäßig, wobei er Feedback von den Schülern und den Kollegen einholt. Hattie entwickelte dazu 10 zentrale Lehrerhaltungen, die daraus resultieren: Ich rede über Lernen, nicht über Lehren. Ich setze die Herausforderung. Ich sehe Lernen als harte Arbeit. Ich entwickle positive Beziehungen. Ich benutze Dialog anstelle von Monolog. Ich informiere alle über die Sprache des Lernens. Ich bin ein Veränderungsagent. Ich bin ein Evaluator. Schülerleistungen sind eine Rückmeldung für mich über mich. Ich arbeite mit anderen Lehrpersonen zusammen. Interessant für mich ist hierbei, dass es sich letztlich um genau die gleichen Haltungen handelt, die Lernende entwickeln müssen, um Lernprobleme in einem bestimmten Fach zu überwinden: Ich beginne mit, was ich nicht kann. Ich suche die Herausforderung bei den Übungsaufgaben. Üben ist harte Arbeit. Ich befreunde mich mit Mitschülern, Lehrern und Freunden. Ich rede mit ihnen. Ich spreche mit ihnen über meine Verständnisprobleme. Ich verändere Methoden und Verhaltensweisen. Ich reflektiere mein Verhalten. Lernergebnisse sind eine Rückmeldung für mich. Ich arbeite im Team.

So weit so gut. Im Nachhinein lohnt sich durchaus ein Blick auf die Einflussfaktoren auf gelingendes Lernen im Einzelnen, da sie die zuerst genannten Schlussresultate Hatties stützen und ergänzen. Zusätzlich lässt sich aus ihnen konkreter ableiten, in welcher Form gelingendes Lernen im häuslichen Bereich, bezogen auf einen Nachhilfelehrer und aus Sicht des Schülers gelingen kann.

Die beiden Faktoren mit dem größten Einfluss auf den Lernprozess setzen auch bei den Lernenden an. Diese sind Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus und Erkenntnisstufen.

Von der Selbsteinschätzung des eigenen Leistungsniveaus ist die Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu trennen. Ist sie zu niedrig, wirkt sich dies aufgrund einer geringen Fehlertoleranz und unsicherem Handeln massiv auf die Leistungsfähigkeit aus. Daher sollte zuallererst in einem Lernprozess an einer gesunden Selbsteinschätzung, verknüpft mit Selbstbewusstsein, gearbeitet werden. Diese Aussage deckt sich durchaus mit meinen eigenen Erfahrungen als Lehrerin: gerade in Mathematik häufen sich die Probleme, da viele Schüler und Kinder geradezu erwarten, die Aufgaben nicht meistern zu können. In diesen Fällen ist die Einstellung zum Fach und zu den Aufgaben das größte zu überwindende Hindernis.

Ist die Selbsteinschätzung angemessen, fordern die Lernenden eine angemessene Sequenzierung und Darbietung des Lernstoffes in einem kooperativen Unterricht. Dies gilt natürlich auch für einen gelungenen Nachhilfeunterricht.

Den 2. Faktor nennt Hattie Erkenntnisstufen. Grundlage dafür ist das Stufenmodell der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget, dabei werden die Stadien des Anfängers, des Fortgeschrittenen und des Experten unterschieden. Die zentrale Aussage hierbei ist: je höher das Niveau des Vorwissens und der Vorerfahrung ist, desto höher ist die schulische Leistung. Daher sollte es die vorrangige Aufgabe der Lehrpersonen sein, das Ausgangsniveau der Lernenden festzustellen und den Unterricht daran anzupassen. Auch für mich gilt: Jedes Nachhilfeprogramm und jede Förderung, um Lernrückstände aufzuholen, muss damit beginnen, die Defizite zu diagnostizieren.

In den Domänen Unterrichten und Lehrpersonen haben die Faktoren „Direkte Instruktion“, „bewusstes Üben“, „kooperatives Lernen“, „Rückmeldung“, „Fachkompetenz“, „Lehrerfort- und weiterbildung“, „Lehrer-Schüler-Beziehung“ und „Klarheit der Lehrperson“ Spitzenpositionen im Ranking.

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